Schnee, Frost und Tauwetter: Winterlibellen im Ausnahmezustand (Januar 2026)

Männchen der Gemeinen Winterlibelle von Schnee umhüllt
Männchen der Gemeinen Winterlibelle von Schnee umhüllt, 3.1.2026

Von allen Libellenarten, die ich im Laufe der Jahre fotografiert habe, ist die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) in meinem Fotoarchiv am häufigsten vertreten. Ein Großteil der Aufnahmen entstand während der Überwinterungszeit zwischen Oktober und März.

 

Auch in der aktuellen Wintersaison verbrachte ich wieder viel Zeit bei den Winterlibellen. Zunächst stand dabei jedoch weniger die Fotografie im Vordergrund. Auf manchen Exkursionen hatte ich die Kamera gar nicht dabei, denn das Erkunden der Lokalitäten und die gezielte Suche nach neuen Überwinterungsplätzen waren wichtiger. Ende Dezember 2025 waren mir an mehreren Standorten rund 160 überwinternde Exemplare bekannt.

 

Zu Beginn des neuen Jahres änderte sich der Schwerpunkt deutlich. Mit dem Einzug des Winters in die Lüneburger Heide boten Schnee und Frost außergewöhnliche Bedingungen. Sie ermöglichten teils neue Beobachtungen und eröffneten zahlreiche fotografische Möglichkeiten, die Winterlibellen in einer winterlichen Umgebung zu dokumentieren. 

Viel Schnee Anfang Januar

Bereits am 2. Januar fiel der erste Schnee, und einen Tag später wurde es richtig winterlich: Rund 20 Zentimeter Neuschnee bedeckten die Landschaft. Bei Temperaturen um 0 °C waren die Schneeflocken groß und feucht und hafteten dekorativ an Zweigen und Libellen.

 

Viele Überwinterungsplätze, die nur über Feld- oder Waldwege erreichbar waren, blieben aufgrund der Schneemengen lange Zeit unzugänglich. Doch auch an den erreichbaren Lokalitäten wurde jeder Besuch durch den tiefen Schnee zu einer körperlichen Herausforderung.

 

Winterlibellen mit bodennahen Sitzpositionen waren bereits nach wenigen Stunden eingeschneit. Andere Tiere zogen sich auf niedrigere Ansitze zurück und wurden ebenfalls vom Schnee bedeckt. Einige wenige verharrten erstaunlich hartnäckig in 40 bis 80 Zentimetern Höhe. Und dann gab es noch Winterlibellen, die von einem auf den anderen Tag verschwanden. 


Für kurze Zeit Tauwetter mit Regen

Mitte Januar setzte Tauwetter ein. Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt und Regen ließen den Schnee innerhalb weniger Tage verschwinden. Viele zuvor eingeschneite Winterlibellen tauchten wieder auf und nahmen rasch höhere Sitzpositionen ein.  

Während dieser Phase entdeckte ich auch Exemplare, die zuvor spurlos verschwunden waren. Sie lagen reglos im Schnee unter ihren früheren Ansitzen. Vermutlich hatten sie sich während des starken Schneefalls einfach fallen gelassen und waren eingeschneit worden. Einige Stunden später fand ich dieselben Tiere wieder an Halmen oder Zeigen in unmittelbarer Nähe. Zunächst gelang es mir nicht, diese Auferstehung von den Bewegungslosen zu beobachten. 

Schließlich hatte ich doch noch das Glück des Tüchtigen: Ich beobachtete ein Weibchen, das sich langsam, aber kontinuierlich über den Schnee bewegte und schließlich einen Blaubeerzweig erklomm – für das kleine Tier bei den niedrigen Temperaturen vermutlich ein enormer Kraftakt. 

Noch einmal Schnee und eisige Kälte

Zum Monatsende kehrte der Winter noch einmal zurück mit neuerlichem Schneefall und deutlich tieferen Temperaturen. Die  niedrig sitzenden Libellen verschwanden erneut rasch unter der Schneedecke. Die übrigen Tiere verharrten bei Tageshöchsttemperaturen zwischen −5 und 0 °C und einem kalten Ostwind unmittelbar über dem Schnee oder in geringer Höhe. Immer wieder war ich überrascht, dass sich die Winterlibellen trotz dieser eisigen Bedingungen noch bewegen und ihre Sitzposition verändern konnten. 

Winterlibellen fotografieren

Ein fast vollständig eingeschneites Weibchen der Gemeinen Winterlibelle
Ein fast vollständig eingeschneites Weibchen der Gemeinen Winterlibelle, 7.1.2026

Die meisten Fotos entstanden mit einem 100-mm-Makroobjektiv. Um die verschneite Umgebung stärker in die Bildgestaltung einzubeziehen, nutzte ich ergänzend Weitwinkelobjektive, insbesondere das Canon RF 35mm F1.8 Macro.

 

In der Regel arbeitete ich vom Stativ aus. Saßen die Winterlibellen bodennah, legte ich die Kamera direkt in den Schnee. Eine dünne Folie schützte dabei Kamera und Objektiv vor Feuchtigkeit.

 

Für eine korrekte Belichtung in der schneebedeckten Umgebung war in der Regel eine Belichtungskorrektur von +1 bis +2 Blendenstufen erforderlich. Da der Himmel meist stark bewölkt war, kam häufig ein Blitz zum Einsatz – sowohl im TTL-Modus als auch mit manuell eingestellt.